Wir sind in Mariánské Lázně! — Äh, wo seid ihr?

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6 min readJul 22, 2022

Das ist die klassische Reaktion unserer Freunde und Familie, wenn wir gefragt werden, wo wir uns derzeit so rumtreiben. Nur einen Katzensprung vom wunderschönen bayrischen Fichtelgebirge entfernt, erhebt sich das schmucke tschechische Städtchen. Zu Deutsch besser bekannt als Marienbad. Begleitet uns und lasst euch von Mariánské Lázněs Charme verzaubern.

Eine Reise ins 19. Jahrhundert

Die Wandelhalle Maxim Gorki

Türkis und Gelb. Gelb in allen Variationen, ab und zu mal Rot. Das sind die Farben, die wir sehen, wenn wir von unserem Balkon aus den Blick über die kleine Stadt schweifen lassen. Marienbad ist wirklich hübsch. Hübsch ist vielleicht das falsche Wort. Pompös, mondän. Hier floss und fließt Geld. Penibel werden die spätbarocken und klassizistischen Fassaden restauriert, sodass sich die Besucher sogleich ins 19. Jahrhundert zurückversetzt fühlen. Hufgeklapper dringt zu uns hoch. Plötzlich setzt klassische Musik ein. Was ist es dieses Mal? Bocelli, Beethoven oder doch Filmmusik? Bildlich sehen wir, wie sich das Wasserspiel zum Takt der Musik bewegt. Jede ungerade Stunde findet sich eine Traube Menschen um die singende Fontäne ein, um dem Schauspiel beizuwohnen. Fehlt nur noch das lange Kleid mit Puffärmeln und die Melone. Aber selbst das haben wir gesehen. Am Sonntag schmeißen sich Einheimische und Touristen in Schale. Hier kann man endlich mal sein schickstes Kleid ausführen und –um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen– sich mit der Pferdekutsche durch die Stadt chauffieren lassen.

Einer der bekanntesten Kurorte Europas

Obwohl Mariánské Lázně nicht groß ist, sind wir schon zwei Wochen hier. Unsere angemietete Altbauwohnung liegt direkt im Zentrum und befindet sich in einem der toll verschnörkelten Häuser, an denen man sich einfach nicht sattsehen kann. Die Wohnung ist riesig und in Tschechien sind die Mieten noch bezahlbar.

Alles hier ist auf Erholung ausgelegt. Im Zentrum Marienbads ist ein langläufiger Park mit Wasserläufen und Springbrunnen angelegt; innerhalb drei Minuten kann man Spaziergänge und Wanderungen in den umliegenden Wäldern unternehmen. Kaum einmal fährt ein Auto durch das historische Zentrum. Hier ist praktisch alles zu Fuß erreichbar. Nur die großen Supermarktketten wie Lidl, Tesco, Kaufland oder DM liegen am Stadtrand.

Das Zentrum soll zum Flanieren, Sinnieren und Gesunden dienen. Marienbad reiht sich stolz in die Liste der bekanntesten europäischen Kur-und Bäderstädte ein und gehört seit 2021 zum Unesco-Welterbe. Schon Goethe und Mark Twain wussten um die Heilkraft des Ortes. Zu seiner Blütezeit, Anfang des 20. Jahrhunderts, waren die Heilquellen bei dem britischen König Edward VII und dem österreichischen Kaiser Franz Joseph I beliebt, die sich hier auf einen Plausch trafen.

Deshalb ist unsere morgendlicher Schlachtruf auch: Hast du den Becher dabei?

Die Kolonáda

Nicht ohne meinen Becher

Es ist nämlich so: Beim ersten Spaziergang durch das Zentrum fallen sofort die vielen Leute auf, die sich mit einem Becher bewaffnet, zielstrebig ihren Weg zu einer der vielen Quellen bahnen. In Marienbad hat man die Qual der Wahl: Soll man heute von der Rudolfquelle, der Karolina-Quelle oder doch lieber von der Marienquelle kosten? Wir schreiben bewusst kosten, denn manchmal reicht ein Schluck, um zu wissen, dass hier mehr Unheil als Heil angerichtet werden könnte. Aber wir haben uns durchprobiert und heute hat jeder seine Lieblingsquelle (Ambrosiusquelle und Kreuzquelle) auf der morgendlichen Runde. Für Neuling empfehlen wir zur Hauptkolonnade, der Maxim Gorki, zu pilgern, da hier gleich mehrere Quellen beidseitig der wunderschönen Wandelhalle auf einmal sprudeln. Große Tafeln erklären, für welche Beschwerde nun welches Wasser am geeignetsten ist. Ob’s hilft? Wir können nur so viel sagen: Mit der Verdauung hatten wir in Marienbad bislang keine Beschwerden.

Die Waldquelle

Wer tatsächlich in einer der Quellen baden machte, sollte sich am besten im Hotel Nové Lázně umhören. In diesem Hotel gibt es die schönsten und bekanntesten Thermen. Aber auch in allen anderen Hotels kann man gezielt Anwendungen buchen.

Da wir im Hochsommer in Marienbad sind, ist uns der nahegelegene Badesee lieber. Mit oder ohne Badebekleidung, nur 3 Kilometer südlich von Marienbad liegt das Freibad — der Lido. Der Lido ist eigentlich ein Badesee inklusive Campingplatz. Gegen eine geringe Gebühr kann man hier den Sommertag verbringen.

Aber ist so ein Kurort nicht nur was für alte Leute?

Zugegebenermaßen sieht man viele ältere Herrschaften, aber auch viele Familien.

Wer Architektur liebt oder einfach mal komplett runterkommen möchte, ist hier richtig. Die meisten Touristen werden wohl in einem der vielen luxuriösen Hotels absteigen, bleiben dafür aber auch nur für kurze Zeit.

Auch für Kinder gibt es ein paar Aktivitäten, so zum Beispiel den „Böhmischen Park“, ein Miniaturpark, der Tschechiens bekannteste Bauwerke neben Ziegen und Shetlandponys zeigt. Gleich daneben ist ein großes Gehege wo man Rehe und Hirsche bobachten kann. Wer noch einen kleinen Spaziergang durch den Wald machen möchte, kann weiter zum Hamelika Turm wandern und wird mit einer tollen Aussicht über Marienbad belohnt.

Der Hamelika Turm

Alle gleichermaßen lädt die Hauptstraße zu Eis, Kaffee und allerlei Kuchenvarianten sowie tschechischen Spezialitäten ein. Leckere deftige tschechische Küche haben wir im Česká Hospůdka probiert.

Wer Geld sparen möchte, fährt aufs Land. Hier bekommt man große Portionen für den schmalen Geldbeutel, sollte sich aber auf eine Bestellung auf Tschechisch einstellen.

Um Marienbad herum

An den Wochenenden zieht es uns ins Umland. Wir wollen was von Tschechien sehen — und landen im nächsten Kurort: Františkovy Lázně oder Franzensbad. Tja, wir sind nun mal im westböhmischen Bäderdreieck. Franzensbad ist kleiner als Marienbad, aber fast noch hübscher. Irgendwie schnuckeliger. Ein Tagesausflug lohnt sich auf jeden Fall.

Franzensbad

Neben Franzensbad liegt Cheb. Hier gibt es einen schönen Marktplatz, dahinter lädt die die Karnerkirche St. Michael zur Turmbesteigung ein und einen Blick auf den schwarzen Turm des Schlosses sollte man nicht verpassen.

Der Marktplatz von Cheb

Cheb und Franzensbad befinden sich im tschechischen Seenland. Besonders in Sommer lohnt sich ein Ausflug nach Amerika (kein Witz!) oder an den Jesenice See.

Wir waren zudem wandern in der Taiga und haben Metternichs Schloss besucht.

Der Schlosspark von Schloss Kynžvart (Metternichs Schloss)

Fun Fact

In Marienbad und Franzensbad (und anderen tschechischen Städten) gibt es auch Bier-Spas. Hier werden alle Anwendungen mit Bier durchgeführt. Während man im Bierbottich sitzt, kann man die Maß, die man bekommt, gleich wieder ausschwitzen. Einem von uns klang das irgendwie nach zu viel Bier und wir haben darauf verzichtet. Doch Bier-Fans kommen hier bestimmt auf ihre Kosten.

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